Gymnastik für alle Tage Verfasst am: 31.12.2008, 19:45
So seltsam es klingen mag: Das »Altern« setzt mit dem Tage unserer Geburt ein. In den Jahren des Wachstums wird zwar der Prozeß durch die Neubildung vieler Zellen »verschleiert«, aber im weiteren Laufe unseres Lebens wird das Übergewicht der alternden über die neuen oder aufgefrischten Zellen immer größer. Und eines Tages reicht ihre Beschaffenheit nicht mehr aus, das Leben aufrechtzuerhalten. Die Zellen der Thymusdrüse (unter dem Brustbein) und der Zirbeldrüse (unter der Hirnbasis) verschwinden beim Menschen schon im 17. Lebensjahr. Mit Beginn der dreißiger Jahre nimmt die Körpergröße allmählich ab. Die Muskeln büßen später an Kraft und Dehnbarkeit ein. Der Greis geht gebückt und kann Rumpf und Knie schlecht beugen.
Alle Veränderungen, denen der Mensch mit zunehmendem Alter unterworfen ist, werden seit Beginn dieses Jahrhunderts von einem besonderen Zweig der medizinischen Wissenschaft erforscht und behandelt: der Gerontologie, der Lehre von den Alternsvorgängen, und der Geriatrie, der Altersheilkunde. Versuche und Erfahrungen haben inzwischen gelehrt, dass man den Prozeß des Alterns zwar nicht aufheben, aber etwas aufhalten und in vielen Fällen erleichtern kann.
Ein Verjüngungsmittel hat die Wissenschaft bis heute noch nicht gefunden. Aber sie hat mitgeholfen, dass unsere Lebenserwartung in den letzten 150 Jahren fast verdoppelt wurde. Und sie hat eine Reihe von Erkenntnissen und Möglichkeiten gewonnen, die das Alter erträglicher machen.
Ehe der Arzt helfen muß, gibt es einige einfache Regeln, die jeder berücksichtigen sollte:
Beginnen Sie bereits in der Jugend mit täglichen Körperübungen, und hören Sie auch in der Periode des Alterns nicht damit auf. Noch immer gilt das alte Sprichwort: Wer rastet, der rostet!
Wenn Sie ein bestimmtes Alter erreicht haben, essen Sie mäßig. Bereits vom 20. Lebensjahr an sinkt der Kalorienbedarf des Menschen. Bis zum 50. Lebensjahr langsam, von da an rasch. Nicht nur die Nahrungsmenge, auch die Verhältniszahlen der Nahrungsstoffe: Eiweiß, Fette, Kohlenhydrate sollten daher geändert werden. Der Verbrauch von Fett und Kohlenhydraten muß eingeschränkt werden. Der alternde Organismus verbrennt das Fett sehr schlecht. Höchstens 40 Gramm Fett je Tag sind erlaubt. Fettsüchtige sind im Alter von Zucker-, Leber- und Gallenerkrankungen bedroht. Frauen mehr als Männer. 110 Gramm Eiweiß je Tag genügen. Davon — das ist wichtig! — sollten 60 Prozent tierischer und 40 Prozent pflanzlicher Herkunft sein. Man muß sich auch davor hüten, dass sich zuviel Wasser im Körper ansammelt. Stark gewürzte Speisen sollten gemieden werden. Alte Menschen leiden oft an Verstopfung. Hier helfen leichte Abführmittel. Der alternde Mensch sollte, sobald er das Rentenalter erreicht hat, seine Berufstätigkeit nicht schlagartig abbrechen. Er paßt sich viel besser seiner neuen Lebenslage an, wenn das schrittweise geschieht. Er muß geistig und körperlich in Bewegung bleiben. Das Leben muß einen neuen Inhalt bekommen. Auch tägliche Körperpflege darf im Alter nicht vernachlässigt werden. Sie dient der Gesundheit und dem Wohlbefinden.
Müssen wir uns da verstecken? Gehören wir vielleicht zu jenen, für die Gymnastik ein Fremdwort ist? Das muß sich ändern!
Eines haben alle unsportlichen Menschen gemeinsam: den besten Vorsatz, etwas für sich zu tun. Denken Sie noch an Ihren letzten Urlaub an der See? Da sahen Sie nicht ohne Neid viele schlanke sportliche Menschen beim Spiel. Ihnen wurde wieder einmal bewußt, was Sie alles versäumt haben. Dieses Versäumnis gilt es jetzt endlich nachzuholen. Nie ist es zu spät dazu. Je länger die Gewohnheit, desto leichter fallen die Übungen!
Körperliche Betätigung ist schon deshalb wichtig, weil mit dem Leib gleichzeitig auch der Geist trainiert wird. In einem straffen sportlichen Körper wird schwerlich ein schlaffer, widerstandsloser Geist wohnen. Es leuchtet Ihnen sicher ein, dass wir nur dann zu einer wertvollen Lebensleistung gelangen, wenn wir über einen gut funktionierenden Organismus verfügen. Es ist der ewige Kreislauf : gesundes Leben, seinen Platz ausfüllen, jung bleiben trotz grauer Haare,
Die alten Griechen — um sie auch hier zu zitieren — sagten es so: »Wie der Mensch sich anfühlt, so alt ist er!« Wir müssen regelmäßig alle unsere Muskeln nach ihren natürlichen Anlagen durch Dehnung und Zusammenziehung üben. Jede Zelle ist eine kleine Batterie. Bewegen wir uns wenig, so werden die Glieder schlecht mit Energie versorgt, und das Herz trägt eine doppelte Last. Schließlich erstarren und verhärten auch die Bänder und Gelenke, in der Wirbelsäule bilden sich tote Stellen, und die Zwischenwirbelknochen verlieren ihre Federung. Ein zuwenig bewegter Organismus ist auch träge im Stoffwechsel. Schlacken bleiben im Körper, und Fett setzt sich an. So kommt eines zum anderen.
Jedes Muskeltraining kostet Fett. Das geschieht jedoch nur allmählich — also Geduld und Ausdauer! So werden Sie, wenn Sie Gymnastik treiben, nicht allein das Alter korrigieren, frisch und elastisch bleiben. Sie machen damit auch gleichzeitig eine Art Entfettungskur. Eines muß jedoch gesagt werden: Übertreiben Sie nie, und fragen Sie zuerst einen Arzt, wenn Ihre gesundheitlichen Schäden bereits fortgeschritten sind.
Körperbeherrschung gibt Anmut, Verkrampfungen lösen sich. Gymnastik gewöhnt uns nach und nach an organisch richtige Bewegung. Die Gewandtheit im täglichen Leben steigt und damit die Freude über die zunehmende Gesundheit und auch über die Schönheit, da ja beide eng miteinander verbunden sind.
Es genügt schon, wenn Sie morgens und abends je 5 Minuten turnen. Das Fenster ist weit geöffnet. Sie beginnen mit Übungen, die Ihnen liegen. Sie werden sehen, wieviel Spaß Sie daran haben!
Wechseln Sie öfter, und stellen Sie sich ein Programm zusammen, von dem Sie spüren, dass es Ihnen bekommt und nützlich ist.
Die bisherige Alterseinteilung stimmt schon längst nicht mehr. Es kommen zwei neue hinzu: die erwachsene Jugend und die jugendlichen Alten. _________________